Bericht über die Partnerschaftsarbeit im Jahr 2016 des Prodekanats München-West

ein Gastbeitrag von Ruth Schubert

Im Jahr 2016 fanden vielfältige Aktionen statt:

  • sechs Themenabende
  • ein Fortbildungswochenende in Petersberg
  • ein Treffen der deutschen Partner der Konde-Diözese
  • eine Jugendbegegnung
  • ein Treffen der internationalen Partner der Konde-Diözese
  • ein Besuch von Cecilia Nsombo
  • und vieles mehr
Der Bau der neuen Ambulanz (Out-Patients Department) im Januar 2017, Itete Hospital

Themenabende

Die Gemeindebeauftragten der zehn in der Partnerschaft aktiven Gemeinden trafen sich regelmäßig alle zwei Monate. Bei diesen Treffen waren in der Regel 15-20 Leute anwesend. Die Treffen wurden vom Prodekanatsmissionspfarrer, Stefan Pickart, moderiert, und in seiner Abwesenheit von den Dekanatsbeauftragten Ruth Schubert und Christi-Anne Scholle. Es wurden folgende Themen besprochen:

  • Rückblick auf die Partnerschaftsarbeit 2015 und Impulse für die Arbeit in Zukunft
  • „Verantwortliches Investieren in Entwicklungsländern“ mit Dr. Walter Ulbrich (ehemaliger Vorsitzender von Oikocredit Bayern)
  • Vorbereitung der Begegnung in München 2017
  • „Unsere lutherische Identität“ mit Pfr. Stefan Pickart
  • Diskussion über das „Münchner Modell“ der Partnerschaftsarbeit
  • Austausch mit Cecilia Nsombo, Personalmanagerin der Konde-Diözese

Fortbildungswochenende in der Katholischen Landvolkshochschule am Petersberg

Jedes Jahr treffen sich die Gemeindebeauftragten aus München-West mit denen aus München-Ost und -Süd, die ähnliche Partnerschaften in der Süd-Diözese der ELCT haben, zu einer Tagung, die in Zusammenarbeit mit Mission EineWelt vorbereitet wird. Es kommen immer um die 70 Teilnehmer. Das Thema 2016 war „Schwarz-sein, weiß-sein – alles nur Einbildung?“ mit den Referenten Timo Kiesel und Tahir Della von glokal e.V., einem Berliner Verein für machtkritische, postkoloniale Bildungsarbeit. Es wurde darüber diskutiert, wie Alltagsrassismus funktioniert und welche Privilegien wir in unseren deutsch-tansanischen Partnerschaften haben. Es war kein Wohlfühl-Thema und einige fanden, dass ihre (Projekt)arbeit zu wenig wertgeschätzt wurde. Die Methode Weltcafé und die Diskussionen am Sonntag zu unserer Gemeindearbeit waren sehr gut, mit einem hohen Grad an Kommunikation untereinander. Die Andacht in der mittelalterlichen Basilika am Freitagabend und das Tischabendmahl bei Kerzenlicht am Samstagabend waren, wie immer, Highlights des jährlichen Zusammenseins.

Treffen der deutschen Partner der Konde-Diözese in München

8.-9. April 2016: Zum Treffen in der Christuskirche kamen Vertreter aus Nordfriesland, Hamburg, Regensburg und dem Berliner Missionswerk. München-West wurde von Pfr. Pickart, Ruth Schubert, Christi-Anne Scholle und (am Anfang) Dekan Jahnel vertreten. Entschuldigt waren der Matema Arbeitskreis (Eisenach-Erfurt), Mission EineWelt (Bayern) und das Missionswerk Leipzig. Jeder Partner hat von seiner Arbeit berichtet. Weil es heißt, dass die lutherischen Kirchen in Afrika den Einfluss der Pfingstkirchen fürchten und ihre gemeinsame lutherische Identität stärken wollen, hat sich die Gruppe mit dem Thema „lutherische Identität“ befasst, mit einem Impulsreferat von Pfr. Stefan Pickart. Eine Diskussion über unser Selbstverständnis als Partner führte zum Schluss, dass unsere Partnerschaften auf vier Säulen basieren sollen:

  1. Begegnung,
  2. geistlicher Austausch,
  3. globales Lernen und
  4. Projektarbeit.

Abschied von Regine Kellermann

18. Juli 2016: Frau Kellermann war viele Jahre bei der Evangelischen Jugend München für Internationale Jugendbegegnungen und Interkulturelle Bildung zuständig. Ihre letzte Aufgabe, bevor sie eine Ausbildung als Pfarrverwalterin (Pfarrerin) anfing, war die Jugendbegegnung München-West 2016.

Jugendbegegnung

8.-25. August 2016: Dies war eine Inlandsbegegung, die nur beim zweiten Anlauf zustande kam. Letztes Jahr gab es nicht genug deutsche Teilnehmer. Um den Jugendlichen entgegen zu kommen, wurde die Dauer der Begegnung auf zweieinhalb Wochen verkürzt. Die Begegnung stand unter dem Motto „Make the difference – together in faith“. Die Leiter waren Regine Kellermann und Korbinian Schmaus auf deutscher Seite, und Pfr. Sanga auf tansanischer Seite. Es gab insgesamt 17 Teilnehmer, plus zwei junge Köchinnen und eine Dolmetscherin. Sie wohnten zusammen im Hans-Leipelt-Haus, Grafrath. Ein dreitägiger Ausflug führte sie nach Villingen-Schwenningen, wo ein Biobauernhof, eine Biogasanlage, eine Solaranlage und ein Wasserkraftwerk besichtigt wurden. Als beide Gruppen sich Gedanken über eine Wertehierarchie machen sollten, war die Überraschung groß, als die tansanische Gruppe „Familie“ weit vor „Religion“ plazierte. Sie erklärten dann, dass alle Werte von der Familie vermittelt werden, so auch die Religion. Ein Wochenende wurde in Familien verbracht. Danach berichtete ein Tansanier, wie sehr er sich darüber gewundert hat, dass die Katze ein eigenes Klo hatte, ein Bett, und sogar einen Namen. Und die Jugendlichen geben einen Tipp zum Umgang mit Zeit: Es hilft den Gästen mehr, wenn man sie abholt und sagt „Jetzt geht’s los“, als wenn man ihnen vorher sagt „Es fängt um 9 an“ und dann schimpft, wenn sie auf sich warten lassen.

Treffen der internationalen Partner der Konde-Diözese in Matema

20.-23. Oktober 2016: Das Protokoll und der Bericht über die aktuelle Situation und Zukunftspläne der Konde-Diözese sind von Ruth Schubert erhältlich.

Virtueller Kirchentag

8. Oktober: Dies war eine bayernweite Veranstaltung für alle kirchlichen Partnerschaften. Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit im Internet Videobeiträge aus der ganzen Welt zu sehen und zu hören, und schriftlich an Diskussionen teilzunehmen. Für die Münchener Tansaniapartnerschaften gab es am Nachmittag ein Treffen mit Leinwand in der Markuskirche. Per Skype kam ein live Kontakt mit der Süddiözese zustande. Für die Konde-Diözese mussten wir uns mit einem Telefonkontakt zum Bischof zufrieden geben. Er hat sein Mitleid ausgesprochen für die gewalttätige Übergriffe in München und Bayern, von denen er gehört hatte, und er hat uns ermutigt uns weiterhin für Flüchtlinge einzusetzen. Er wusste vor welchen Herausforderungen wir standen.

Besuch von Cecilia Nsombo

Cecilia Nsombo im November 2016

3.-9. November: Cecilia Nsombo war früher die Verwalterin von Itete-Hospital, jetzt Personalmanagerin der Konde Diözese. Sie wurde vom Berliner Missionswerk zu einer Frauenkonferenz in Berlin eingeladen. Diese Veranstaltung endete am 31.10. in Wittenberg. Frau Nsombo machte dann Zwischenstation beim Leipziger Missionswerk und kam dann für eine Woche zu uns nach München, wo sie nicht nur die Stadt kennenlernte und am Treffen der Gemeindebeauftragten teilnahm, sondern auch Ehepaar Dinkel in Marktoberdorf besuchen konnte, die sie aus Itete kannte.

Jahresprojekt 2016

3000 Euro gingen an das Krankenhaus in Itete.

2000 Euro wurden für die Begegnung 2017 in München zurückgelegt.

1000 Euro gingen an das Projekt für Kinder mit Albinismus.

Ergebnisse der Umfrage zur Arbeit in den Gemeinden

In 6 aus 16 Gemeinden ist die Partnerschaftsarbeit zur Zeit praktisch eingeschlafen. Es geht hier um die 10 aktiven Gemeinden. Da im Jahr 2016 keine Begegnung mit den Partnern stattfand, ist die Frage besonders wichtig, inwieweit die Partnerschaftsaktivitäten ein Teil des Gemeindelebens in München geworden sind.

Präsenz in der Münchner Gemeinde

Der jährlicher Partnerschaftsgottesdienst fand in fast allen aktiven Gemeinden zu verschiedenen Zeiten statt und stellt den stabilsten Teil der Partnerschaftsarbeit in den Gemeinden dar.

Leider wird nur von einer Gemeinde berichtet, dass die Partnergemeinde in Tansania davon informiert wurde. Es wäre doch wichtig, dass das Füreinanderbeten in beide Richtungen geht. Hier gibt es Verbesserungsbedarf.

In fast allen Gemeinden wurde die Partnerschaft durch Infotafel, Artikel im Gemeindebrief, Bericht im KV, Fundraisingaktionen usw. mehr oder weniger wahrnehmbar gemacht. Aber nur fünf aus zehn Gemeinden berichten von regelmäßigen Teamtreffen.

Problematisch ist nicht nur das Zusammenstellen eines Teams, sondern überhaupt das Problem einen Beauftragten zu finden. In sechs Gemeinden aus 16 gibt es zur Zeit keine Partnerschaftsarbeit, weil keiner sich dazu motiviert fühlt. An drei Beispielen kann man sehen, woher die Motivation kommen kann:

  • Eine Gemeinde hat ein großes Tansaniateam. Die meisten Mitglieder haben die Partner in Tansania mindestens einmal besucht. Zwei Jugendliche aus dieser Gemeinde nahmen an der Jugendbegegnung im August 2016 teil und beherbergten zuhause zwei tansanischen Jugendlichen beim Familienwochenende. Im November haben zwei Teammitglieder geholfen, Cecilia Nsombo bei ihrem Besuch in München zu begleiten. Das Team arbeitet aktionsweise mit anderen Gruppen zusammen wie z.B. Weltgebetstagsteam, Kirchenkaffee, Gottesdienst zur Einschulung, Advents-Brunch. Beim Partnerschaftssonntag hat das Team immer Helfer, die sonst nicht im Tansania-Kreis sind, und die Unterstützung der Gemeindechöre.
  • Eine Gemeinde berichtet, dass die Partnerschaftsarbeit in einem Eine-Welt-Kreis mit ca. 12 aktiven Mitgliedern eingebettet ist. Dieses Team vertritt ganz verschiedene Interessen (Fairkauf verbunden mit Kirchenkaffee, Flüchtlingsarbeit, Brasilien- und Tansaniapartnerschaften, Weltgebetstag usw.). Helfende Hände sind immer da für verschiedene Aktionen und die Gruppe ist in der Gemeinde sehr präsent. Eine Jugendliche nahm an der Jugendbegegnung teil und Cecilia Nsombo hat sich im Gottesdienst im November vorgestellt und wurde bewirtet.
  • In einer anderen Gemeinde ist das Tansaniateam in der örtlichen Steuerungsgruppe „Fair Trade Gemeinde“ vertreten und wirkt mit der politischen Gemeinde und anderen Gruppen im Ort zusammen um verschiedene Themen (wie faire Blumen) an die Öffentlichkeit zu bringen. Das Team ist präsent beim Gemeindefest im Juni und beim Brot-für-die-Welt Sonntag (Basar) im Advent, und arbeitet dabei zusammen mit Flüchtlingen (Essen, Musik). Der Abschiedsgottesdienst der Jugendbegegnung mit Bewirtung wurde hier gehalten. Ein Teammitglied hat geholfen Cecilia Nsombo zu begleiten.

Diese Beispiele zeigen, dass die Zusammenarbeit mit anderen Personen und Gruppen in der Gemeinde Menschen zusammenbringt. Auch wichtig ist das Wahrnehmen von Möglichkeiten Tansaniern persönlich zu begegnen. Dafür muss man nicht immer nach Tansania reisen.

Kontakt zu den Partnern in Tansania

Während der Reise nach Tansania 2015 wurden Kontakte geknüpft, die 2016 weitergepflegt wurden (insbesondere mit Dr. Lee im Itete-Krankenhaus). Der Kontakt mit der Partnergemeinde lief in 3 Fällen über E-Mail, sonst per Post. Der Kontakt fand meist nicht sehr oft statt (ein oder zwei Briefe). Inhaltlich ging es meist um Projekte, aber vereinzelt auch um den Gottesdienst, um den geplanten Besuch 2017 und um das Gemeindeleben in beiden Ländern. In drei Fällen gab es keine Antwort auf Briefe von hier. In einem Fall gab es guten Kontakt mit Alice Mtui (Head Office) wegen eines angedachten Mikrokreditprojekts in der Partnergemeinde. Ein Mikrokreditprojekt in zwei Partnergemeinden (2013 bzw. 2015 mit Startkapital von hier ausgestattet) lief weiterhin gut mit stetem E-Mail Kontakt mit dem tansanischen Leiter des Projekts.

Projektunterstützung

Sechs Gemeinden haben verschiedene Projekte ihrer Partnergemeinden mit Beträgen zwischen 800 und 265 Euro unterstützt. Die Verwendungszwecke waren Schulgeld, diakonische Arbeit der Frauen, Kirchenbau- oder Renovierung, Bau eines Gemeindehauses, Bau eines Kindergartens, Hühnerstall, Kauf von Musikinstrumenten, Grundschule, Überschwemmungshilfe.

In fast allen Fällen wurde das Geld über das Dekanatskonto und Mission EineWelt überwiesen (in einem Fall wurde es Cecilia Nsombo mitgegeben). In zwei Fällen blieb es etliche Monate hängen, was zu Frustration führt und erklärt, warum der offizielle Weg oft umgangen wird.

Vier Gemeinden haben das Krankenhaus in Itete finanziell unterstützt. Dieses Geld wurde auf verschiedenen Wegen geschickt: direkt ans Krankenhauskonto, über Mission EineWelt oder in bar mit Cecilia Nsombo.

Alle 16 Gemeinden haben je 375 € für das Jahresprojekt gegeben: Itete Krankenhaus, Hilfe für AlbinoKinder und Rücklage für die Inlandsbegegnung 2017.

Probleme, Anregungen

  1. Wenig Interesse in der hiesigen Gemeinde. Anregung: Sich zusammen tun mit anderen Gruppen oder Personen in der Gemeinde, die an EineWelt-Arbeit interessiert sind, entweder aktionsweise oder als Eine-Welt-Team.
  2. Bremsen in der hiesigen Gemeinde (durch Pfarrer oder KV)
  3. Fehlender Kontakt mit der Partnergemeinde, kein persönlicher Kontakt, Kontakt bleibt oberflächlich, keine tieferen gemeinsamen Interessen.

Anregungen: Kontakt per E-Mail oder Whats-App könnte in Zukunft helfen. Eine-Welt-Arbeit hier kann die Lücke füllen.

Kontakte per E-Mail oder Whats-App laufen gut z.B. mit dem Arzt in Itete oder mit Menschen im Head Office, die ein höheres Bildungsniveau haben. Es wäre sehr wichtig in der Partnerschaftsarbeit das menschliche Miteinander in der hiesigen Gemeinde und bei internationalen Begegnungen ins Zentrum zu stellen, zusammen mit Überlegungen zum globalen Lernen: Wo findet es statt? (Siehe oben: Ziele der Partnerschaftsarbeit.)

Verantwortlich für den Bericht: Ruth Schubert (erstellt im März 2017)

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